Auf der Suche nach den Schatzkästchen der Zeit

„Man sieht nur, was man weiss“, sagte schon Johann Wolfgang Goethe. Zur gleichen Zeit, als er dies aussprach, standen wohl die meisten Speicher am Spycherweg schon einige Jahre. Im Naturpark Gantrisch existiert noch eine grosse Anzahl Speicher. Sie sind die Schatzkästchen der Bauernhöfe und waren seit jeher einer wechselvollen Geschichte unterworfen. An ihnen lassen sich jede Menge Details entdecken. Erfahren Sie auf dem Spycherweg, wie sich das Leben auf dem Land entwickelt hat und mit ihnen die kleinen Bauwerke auf der wunderschönen Obereichi.

Mit dem Projekt SPYCHER will die Fachgruppe Orts- und Landschaftsbilder die bäuerlichen Klein- und Nebenbauten in den Fokus rücken. Diese sind zwar oftmals geschützt, haben aber für die Eigentümer keinen Nutzen mehr. Mit dem Projekt sollen kultureller Wert und innovative Nutzungsmöglichkeiten aufgezeigt oder entwickelt werden, besuchbare Angebote und die Renovation von Speichern und weiteren Nebengebäuden gefördert werden.

SPYCHER…

Bis vor wenigen Jahrzehnten gehörten zu einem traditionellen Bauerngehöft verschiedene Gebäude mit unterschiedlicher Nutzung: Das eigentliche Bauernhaus, daneben manchmal ein Stöckli, das Ofenhaus, das Remise, der Hühnerstall, das Bienenhaus – und natürlich der Speicher.

Im Speicher wurden gedroschenes Korn, Mehl und Saatgut für das Folgejahr, Dörrfrüchte, Nüsse, Kleider, Stoff, Gerätschaften und sogar Dokumente gelagert. Das Mobiliar, das es dafür brauchte – Kornkästen, Trocknungsgestelle und Truhen – entdeckt man manchmal auch heute noch. Im Speicher bewahrte man einen wichtigen Teil des Besitzes auf. Seine Türen waren oft als einzige der ganzen Hofanlage abschliessbar.

Der Speicher war das eigentliche Schmuckkästlein des Hofs. Darum erhielt er vielfältige Verzierungen, Inschriften, Malereien und reichen Blumenschmuck. Gewohnt hat man nicht darin – darum hat er anstatt Fenster nur Lüftungsöffnungen.

Die Lagerhaltung in der Landwirtschaft hat sich im Laufe der Zeit verändert. Heute wird das Getreide unmittelbar nach der Ernte verkauft. Die heutige Verfügbarkeit von Lebensmitteln macht den Speicher als Aufbewahrungsort überflüssig. Er hat heute seine spezifische Bedeutung für den Hof eingebüsst. Die Besitzer finden für die Weiternutzung oft keine geeignete Möglichkeit, und ein Umbau ist bei den schützenswerten Gebäuden oft mit Auflagen verbunden.

Auf dem Spycherweg trifft man als Wanderer auf acht Speicher. Geniessen sie ihren Anblick und entdecken sie deren Besonderheiten sowie die schöne, abwechslungsreiche Landschaft, in die sie eingebettet sind.

Spycherweg

Erkunden Sie verschiedene Arten von Speichern - genutzte und ungenutzte.

Fleckenspeicher

In einem Speicher konnte man nicht wohnen, dafür war die Bausubstanz nicht geeignet. Zügig und kalt – oder aus der Warte der Lebensmittelaufbewahrung: gut durchlüftet und kühl. Aber warum hat dieser Speicher eine zusätzliche Türe?

Der Zahn der Zeit

Die Speicher sind aus Holz und damit aus einem lebendigen Material. Fallen Sie aus der Nutzung, werden sie dem Zersetzungsprozess überlassen.

Speicher neu genutzt

Im besten Fall kann ein Speicher neu genutzt werden. Hier wurde der Speicher sorgfältig restauriert und dient als Hoflädeli und Café.

Kein Speicher aber viel Landwirtschaft

Das Schwarzenburgerland ist ein Speicherland. Mehr als 500 Speicher stehen auf dem Gebiet, das man von hier aus sieht.

Speicher, Ofenhaus oder gar bewohnt?

Achtung Einsturzgefahr! Die Baute zeigt uns ihr spannendes Innenleben und lässt uns auf verschiedene frühere Nutzungen schliessen.

Der 13 Säulen Speicher

13 Säulen waren einmal zu sehen – wieviel zählt man heute? Jeder Speicher hat solche Pfosten, und jeder weist die Handschrift seines Erbauers auf.

Typischer Schwarzenburger Speicher

Dieser Speicher ist in seiner Form und Grösse ein typischer Schwarzenburger Speicher. Bitte betrachen Sie ihn nur von der Strasse aus (Zutritt auf den Hofplatz nicht erwünscht).

Der Spycher-im-Spycher Speicher

Der Speicher ist ein Nutzgebäude, darum wurde es immer wieder angepasst. Hier war er zu klein, darum wurde er erweitert. Mit der neuen “Dachtechnologie” war dies möglich.

Drei-Dächer Speicher

Jeder Speicher braucht ein Dach. Fehlt es oder hat es Löcher, zieht bald einmal der Hauspilz ein. Dieser – einst einstöckige – Speicher hat drei Dächer. Welche Materialien sind sichtbar?

Die Speicher stehen auf Privatgrund. Die Eigentümer haben sich freundlicherweise damit einverstanden erklärt, dass Spycherweg-Besucher bis vor den Speicher treten dürfen. Falls Sie die Eigentümer mal antreffen, geben sie Ihnen gern Auskunft, wenn Ihnen etwas besonderes auffällt. Das Betreten der Speicher ist untersagt (Hausfriedensbruch). Das Eintretensverbot dient auch Ihrer Sicherheit. Einige Speicher sind baufällig und somit gefährlich. Ausnahme bildet bis auf weiteres das Hoflädeli, wo das Eintreten gestattet und erwünscht ist..