Das hat der Naturpark im 2021 für die Umwelt geleistet

Über 30 Einsätze und 520 Personentage Freiwilligen-Arbeit wurden im letzten Jahr für die Region geleistet: Schwenteinsätze, Baumpflanz-Aktionen, Heckenaufwertungen, Neophyten-Bekämpfung, Bau von Kleinstrukturen, Unterhalt von Naturlehrpfaden und weitere Aufwertungsmassnahmen wurden umgesetzt. Daneben wurden Monitorings durchgeführt, die Zusammenarbeit mit Gemeinden und Naturschutzvereinen gestärkt und weitere Projekte für das neue Jahr geplant. Im Projektbericht Natur und Landschaft 2021 finden Sie alle Infos zu den Projekten und Einsätzen. Wir haben hier für Sie einige Highlights herausgesucht, die die ganze Breite der Arbeit zeigen sollen.

 

Förderung von artenreichen Hecken

In den letzten 10 Jahren wurden im gesamten Parkperimeter neue Hecken gepflanzt und bestehende aufgewertet. Damit die Wirkung dieser Massnahmen zukünftig noch effektiver wird, wurde im 2021 eine Habitats-Analyse in Auftrag gegeben. Neben strategischen Tätigkeiten wurden auch Massnahmen draussen im Feld umgesetzt. Beispielsweise wurde im Herbst in Riggisberg mit Freiwilligen ein Pflegeschnitt in einer Hecke durchgeführt, an welcher seit über 15 Jahre kein Eingriff mehr gemacht wurde. Als ein Grossteil der dominanten Haselsträucher zurückgeschnitten war, kam eine Vielfalt an wertvollen Straucharten zum Vorschein, die sich nun wieder entfalten kann. Zusätzlich wurden sechs Asthaufen mit Brutkammern angelegt, die unzähligen Tierarten als Unterschlupf dienen.

Baumpflanzungen

In drei verschiedenen Einsätzen mit Freiwilligengruppen und den Naturpark Junior-Ranger wurden in Zusammenarbeit mit den Förstern in verschiedenen Wäldern in den Gemeinden Schwarzenburg, Rüeggisberg und Rüschegg mehr als 100 junge Bäume gepflanzt. Es wurden Baumarten gewählt, welche sich besser an die sich durch den Klimawandel verändernden Bedingungen anpassen können und die zu einer höheren Biodiversität beitragen.

Aufwertungsprojekte im Gürbetal

Bei einer Scheunenrenovation konnte gleichzeitig die Montage von Nistgelegenheiten für Turmfalken, Schleiereule, Mehlschwalben und Mauersegler realisiert werden: Die Beratung übernahm der Vogelschutzverein, montiert wurden die Nisthilfen vom Landwirten und die Kosten fürs Material übernahm der Naturpark Gantrisch.
Das Gürbetal ist geprägt durch die Landwirtschaft. Ein besonderes Merkmal sind die Mooshüttchen, auch Torfhüttli oder einfach Schürli genannt. Sie werden teilweise genutzt. Häufig stehen sie jedoch dem Zerfall nahe. Sie sind zusammen mit den oft danebenstehenden Bäumen landschaftsprägende Elemente. Die Mooshüttli im Gürbetal sind auch Biodiversitätsinseln. Oft zerfallen sie zwar und werden von Gehölz überwachsen, sind aber gerade dadurch wertvoller Lebensraum für Arten, die Nischen und Strukturen suchen. An rund 60 Gebäuden hängen zudem Nistkasten für die bedrohten Arten Schleiereule und Turmfalken. 2021 wurden erste Abklärungen getroffen, im 2022 will der Naturpark ein Projekt zum Erhalt dieser wertvollen Objekte starten.

Projekt Allmid Biodivers

In Rüeggisberg wurde 2019 das Projekt „Allmid Biodivers“ lanciert. Die Grundstückbesitzer haben hier bereits eine grosse Vielfalt an Lebensräumen geschaffen. Im 2020 wurde eine 100 m lange Wildhecke gepflanzt, die den bereits bestehenden Weiher und Wildstrauchgruppen mit dem nahen gelegenen Waldrand verbindet. Zudem wurde eine grosse Fläche Wildblumenwiese angelegt. Im 2021 wurden nun zwei weitere Vernetzungselemente geschaffen, die den südwestlich gelegenen Waldrand mit den bereits bestehenden Strukturen vernetzen sollen. Mit Hilfe zweier Schulklassen aus Thun wurden beim Einsatz zwei grosse Steinwälle mit jeweils mehreren Aufzuchtkammern für Wiesel angelegt.

Sensibilisierung & Öffentlichkeitsarbeit

In sensiblen Lebensräumen treffen oft Nutzungs- und Schutzinteressen aufeinander. Damit Mensch und Natur miteinander existieren können, wurden zahlreiche Sensibilisierungsmassnahmen durchgeführt. Dabei ging es oft um die Information der Besucher*innen, wie man sich in diesen Lebensräumen korrekt verhält. Beispielsweise waren im Winter auf dem Gurnigel Ranger im Einsatz, die über wildtierfreundliches Verhalten informiert haben. Über verschiedenste Kanäle wurde über die Projekte und Naturschätze unserer Region berichtet. Auf der neuen Website “Lebensräume” können Sie sich seit dem Herbst detailliert über die wertvollen Lebensräume und ihre Zielarten informieren. Diesen wurde auch ein ganzes Kinderheft “Gantrisch Entdecker” gewidmet.

Projekt Naturvielfalt Bannholz

Der südlich exponierte Waldrand in der Gemeinde Schwarzenburg, an welchem seit 2012 jährlich Aufwertungsmassnahmen umgesetzt wurden, ist einer der wichtigsten Standorte im Naturpark für Sensibilisierungsprojekte. Auch in diesem Jahr wurde an einem Sommerabend ein Sensibilisierungsanlass durchgeführt. Die Besucher*innen wurden durch das Projekt geführt, dabei wurde ihnen aufgezeigt welche Massnahmen auch im eigenen Garten einfach umzusetzen sind. Anschliessend wurden Nisthilfen für Fledermäuse und Haselmäuse zusammengebaut, bevor es dann auf die erfolgreiche Suche nach Fledermäusen und Glühwürmchen ging. Zwei der Nistkästen für die Haselmaus wurden im Anschluss an den Anlass vor Ort montiert. Bereits nach einer Woche wurde der erste Kasten von einer Haselmaus besetzt, etwas später auch der zweite.

Übers ganze Jahr verteilt wurde der artenreiche Waldrand von Freiwilligen gepflegt. Auch in diesem Jahr kamen so über 200 Stunden Freiwilligenarbeit zusammen.

Aufwertung Moorlandschaft Gurnigel/Gantrisch

Ein Grossteil der Freiwilligen-Einsätze fand in diesem Jahr in Form von Schwenteinsätzen statt. Insgesamt wurden 14 Einsätze im Sömmerungsgebiet durchgeführt.  Dank der Einsätze konnten insgesamt über 20 ha wertvolle Sömmerungsflächen entbuscht werden.

 

Aufwertung von Gewässerräumen

Der Naturpark Gantrisch beherbergt wertvolle Quell-Lebensräume. Bisher wurden mit Freiwilligen zahlreiche naturnahe Quellen aufgespürt und beurteilt. In einem weiteren Projekt wurden speziell die besonders wertvollen, kalkhaltigen Quellen (Cratoneurion) untersucht. Die Ergebnisse zeigten, dass der Naturpark zwar noch grosse Schätze beherbergt, aber auch viele Quelllebensräume beeinträchtigt sind durch Verbauungen oder Trittschäden. Dies wurde als Anlass genommen, diesen national prioritären Lebensraum gezielt zu fördern. Weiter wurde das Projekt zur Uferbeschattung von Gewässern wieder aufgenommen und mit Gemeinden diskutiert, wie das weitere Vorgehen inkl. Umsetzung aussehen könnte.

Bekämpfung von invasiven Neophyten

Die Zusammenarbeit mit den Gemeinden konnte gestärkt werden. Highlight waren dabei zwei Einsätze in Plaffeien und Rüschegg und Rüeggisberg. Bei beiden Einsätzen ging es um die Bekämpfung des Drüsigen Springkrauts und der Kanadischen Goldrute in Waldflächen. In Plaffeien halfen 30 Jungblauring-Schüler*innen mit und füllten einen ganzen Anhänger mit den Problempflanzen. Beim zweiten Einsatz in Rüeggisberg und Rüschegg waren 80 Schüler*innen aus Thun dabei. Diese halfen neben dem Bau von Wieselsteinhaufen vor allem bei der Bekämpfung der Neophyten.

Forschung, Monitoring und Förderprojekte

Neben den Sensibilisierungs-Tätigkeiten und Pflegeeinsätzen wurde im 2021 auch viel investiert, um neue Erkenntnis zum Vorkommen der Zielarten im Park zu gewinnen. Das ist wichtig, damit zukünftige Projekte effizient und zielgerichtet umgesetzt werden können.

Neben jährlichen Bestandsaufnahmen von Parkzielarten wie Birkhuhn, kleiner Hufeisennase und Moorschmetterlingen, begleitete der Naturpark verschieden Forschungsarbeiten von Studierenden und überarbeitete in Zusammenarbeit mit Fachstellen wie der Vogelwarte seine Monitorings- und Aufwertungs-Konzepte.

Ein schönes Monitoring-Beispiel ist die erfolgreiche Kreuzkröten-Förderung in Riggisberg: Bereits ein paar Monate nach der Fertigstellung des Kreuzkrötentümpels im Herbst 2020 ergab die erste Erfolgskontrolle im 2021 höchst erfreuliche Resultate.

Zusammenarbeit mit Gemeinden

Die Zusammenarbeit mit den Gemeinden wurde intensiviert. Am Treffen der leitenden Gemeinde-Angestellten wurde die Vision: “Gemeinden sorgen mit weniger Aufwand für mehr Biodiversität!” vorgestellt und diskutiert. Mit häufig einfachen Massnahmen ist bereits sehr viel getan betreffend Biodiversitätsförderung, z.B. in dem man Strassenböschungen oder öffentliche Plätze einmal weniger mäht. Das entlastet die Werkhofmitarbeitenden und fördert die Artenvielfalt. Zudem wurden mit sechs Gemeinden gemeinsame Aktionen durchgeführt. Es wurden Pflegeeinsätze organisiert und durchgeführt, die Gemeinden wurden durch Fachleute beraten und es haben mehrere Begehungen zu Aufwertungsprojekten oder Konfliktsituationen stattgefunden. Im Zentrum stand dabei häufig die Neophyten-Problematik.

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