Nächtliches Licht aus?

In der Region Gantrisch kennen wir den Nachthimmel noch als dunkles Firmament mit Tausenden von funkelnden Sternen. Die Städte und Agglomerationen mit ihren Lichtglocken sind im Gantrischgebiet aber in Sichtnähe und erhellen den Horizont immer mehr. Wir wollten bei der Bevölkerung den Puls fühlen, was sie von einer Nachtabschaltung der Beleuchtung halten. Nachfolgend präsentieren wir euch die Resultate.

Staunen beim Naturpark Gantrisch

Eine nicht repräsentative Umfrage unter den Lesern und Leserinnen der Gantrisch Zeitung und den lokalen Abonnenten und Abonnentinnen des Gantrisch-Instagram-Kanals zeigt auf, dass das nächtliche Abschalten der Beleuchtung kaum Ängste schüren würde, aber schon lange erwartet wird. Das Stromsparen ist dabei nicht einmal der am häufigsten genannte Grund für die Befürwortung der Lichtabschaltung.

Die Teilnehmenden

An der Umfrage machten 85 Menschen aus 42 Gemeinden mit. Rund die Hälfte der Teilnehmenden sind Naturparkbewohner:innen. Das Geschlechterverhältnis ist ausgewogen. Die Teilnehmenden waren zwischen 19 und 81 Jahre alt.

Nachts unterwegs

Die meisten der Teilnehmenden bleiben generell nachts zuhause: Nur 15 Prozent sind mehrmals pro Woche oder sogar jede Nacht unterwegs (11 Männer, 2 Frauen).

Weckt die Nachtabschaltung Ängste oder Hoffnungen?

Wenn die Teilnehmenden an eine Nachtabschaltung der öffentlichen Beleuchtung denken, hegen die meisten keine Ängste oder könnten sich an eine Nachtabschaltung gewöhnen. Rund 70 Prozent hoffen schon sogar schon länger auf eine Nachtabschaltung.

Insbesondere bei den «Nachtprofis», die angeben, wöchentlich mehrmals nachts unterwegs zu sein (13 der 85 Antwortenden, davon 11 männlich und 2 weiblich), bestätigt sich dieses Bild: Rund zwei Drittel hoffen schon länger auf die Nachtabschaltung oder steht dem zumindest gleichgültig gegenüber.

Die Reduktion der Leuchtzeit der öffentlichen Beleuchtung in der Nacht weckt Ängste, welche sich auf das eigene Unterwegssein nachts beziehen sowie auf nahe stehende Personen wie auch auf Ängste vor einem Einbruch in der Wohnumgebung. Mehr als die Hälfte der teilnehmenden Personen findet jedoch, dass die Beleuchtung selber Unsicherheit schafft und sie sich im Schutze der Dunkelheit sicherer fühlen.

Macht eine Nachtabschaltung aus Sicht der Teilnehmenden Sinn – und wenn ja, warum?

Die Teilnehmer:innen (> 90 Prozent) sind sich einig: eine Nachtabschaltung zu gewissen Zeiten macht Sinn.

Nach dem Grund für der Befürwortung gefragt, stehen die nachtaktiven Tiere und das Energiesparen an vorderster Stelle, dicht gefolgt vom sichtbaren Sternenhimmel. Für mehr als die Hälfte der Befragten gehört eine dunkle Nacht auch zur Lebensqualität.

Wann wäre der beste Zeitpunkt, um die Leuchten aus- und wieder einzuschalten?

Nach 21 Uhr scheint in vielen Gemeinden Ruhe einzukehren. Etwas mehr als ein Viertel möchten die Leuchten um 22 Uhr oder früher ausschalten. Für über die Hälfte der Befragten wäre der Zeitraum zwischen 23 Uhr und 00 Uhr der beste Zeitpunkt. Auch beim morgendlichen Einschalten gibt es keine einhellige Meinung, aber eine Mehrheit von 57 Prozent hätten gerne ab 05.30 oder 06 Uhr Licht, 24 Prozent früher, 9 Prozent später.

Parkbevölkerung versus Personen, die ausserhalb des Parks wohnhaft sind

Mehr als die Hälfte der Teilnehmenden kommt aus dem Parkgebiet. Mit der Gegenüberstellung von Park- und Nicht-Park-Gemeinden lässt sich ein interessanter Vergleich anstellen:

Für 88 Prozent der Parkbewohnerinnen macht eine Nachtabschaltung zu gewissen Zeiten absolut Sinn, während es ausserhalb des Naturparks «nur» 73 Prozent sind.

Auch in den folgenden Grafiken zeigt ein Blick in den Vergleich der Park- und Nicht-Park-Antworten, dass innerhalb des Naturparks die Hoffnung auf eine Nachtabschaltung die Ängste deutlich überwiegt.

Eine leichte Tendenz zu mehr Angst als Hoffnung bezüglich einer zukünftigen Nachtabschaltung zeigt sich im Vergleich der Antworten zwischen den Geschlechtern: Diese häufigere Angst der Männer bezieht sich auf die eigene Person, aber auch häufig auf nahe stehende Personen und Angst vor Einbrüchen.

Zum Schluss: Einige Aussagen & Bemerkungen von Teilnehmenden der Umfrage

Die Teilnehmenden hatten auch Gelegenheit, weitere Bemerkungen zum Thema zu äussern. Hier die Aussagen (orthografisch bereinigt):

  • Vor unserem Haus scheint eine Strassenlampe, der Garten ist dauerbeleuchtet, Sterne sehen wir von der Terrasse aus nicht. Der Bahnhof ist wahnsinnig stark beleuchtet- frage ich mich ob das so stark sein muss. Der Glühpunkt der ganzen Umgebung..
  • Es gibt viel zu viel Beleuchtung. Alle 100 Meter eine Strassenlampe ist viel zu viel. Wenn man nur einige brennen liesse im Zentrum der Ortschaft, würde dies absolut genügen. Auch Tankstellen sollten nur die Zapfsäulen ausleuchten. Die ganzen Tankstellenwerbebeleuchtung müsste ausgeschaltet sein.
  • Nicht ausschalten
  • Ich züchte Schmetterlinge, oft Nachtfalter, die unter dem Nachtlicht leiden.
  • Richtig und wichtig
  • Super Sache, sofort umsetzen! Ich warte schon lange drauf.
  • Noch besser wäre früher abschalten bei Beleuchtung mit Bewegungssensoren.
  • Besser wenn Ein/Ausschaltung nicht nur von Tageszeit abhängt, aber auch von der Saison oder Helligkeit.
  • Am Anfang nur unter der Woche. FR/SA würde ich Licht nachts belassen (Leute/Frauen kommen vom Ausgang nach Hause).
  • Mit intelligenter Beleuchtung könnten auch Kompromisse gemacht werden bzw. so bei Gebrauch die Lichter auch länger laufen. Aber ich denke, wer um diese Zeit nach Hause geht, geht so oder so mit dem Auto. Ausserdem hat heutzutage jeder eine Taschenlampe am Handy. Diesen wenigen Nachteile stehen einem riesigen Vorteil wie den nachtaktiven Insekten/Tieren u dem Nachthimmel gegenüber.
  • Der Stromverbrauch für die öffentliche Beleuchtung ist mit moderner LED-Technik derart bescheiden, dass es hier keine Experimente braucht
  • Sicherheit geht vor.
  • ALLES hat immer Vor- und Nachteile 😉
  • Ich würde als erstes Firmenreklamen und Schaufenster Lichter ab 22 Uhr bis 07 Uhr ausschalten.
  • Abschalten 23:00, Einschalten bei Start Dämmerung. Ob astronomisch, nautisch oder bürgerlich[e Dämmerung, Anmerkung der Red.] müsste man noch prüfen, vermutlich Ende astronomische.
  • Ich verstehe sowieso nicht, warum die Strassenbeleuchtung die ganze Nacht brennen muss, an meinem früheren Wohnort wurde diese schon immer zwischen 22:00 und 06:00 Uhr abgeschaltet….
  • Auf rasche, gezielte Massnahmen gegen Luftverschmutzung freue ich mich schon lange.

Aktuelles aus dem Naturpark

Das Gebiet Ahörndler bei Wattenwil ist aufgrund von starker Hangrutschgefahr gesperrt.
Die Amphibien sind unterwegs zu ihren Laichgewässern. Dabei müssen sie oft Strassen queren, was ihnen zum Verhängnis wird. Was wir dagegen tun und wo du helfen kannst, erfährst du in diesem Beitrag.
Ein farbenfrohes Banner mit der Aufschrift «Zäme ungerwägs» ziert neu eines der Postautos, die durch den Naturpark Gantrisch fahren.