Pilgern im Naturpark Gantrisch

Ein pilgernder Mensch tritt mit allem, was ihm am Weg begegnet in einen inneren Dialog ein. Vieles regt an, über die eigene Lebenspraxis nachzudenken. In Begegnungen mit anderen Pilgern kann das Erfahren bewegt und bedacht werden. Und nicht zuletzt ist es die Gastfreundschaft am Weg, die dem Pilger zu spüren geben: Wohin Du auch gehst: Du bist willkommen,  geborgen  und begleitet.

«Man reist nicht, um anzukommen, sondern, um unterwegs zu sein»

Die Wallfahrtsbewegung erlitt mehrmals Rückschläge, so etwa während der Reformation und zur Zeit der Französischen Revolution. Sie erholte sich jedoch immer wieder. Gerade in der heutigen Zeit ist ein erneutes Aufleben festzustellen, allerdings meist in der neuen Form des «Laien-Pilgerns». 1987 wurde der Jakobsweg zum internationalen Kulturgut erklärt. Hier kann der Interessierte den Spuren der Kunstdenkmäler nachgehen.

Verschiedene Institutionen, so auch Schweiz Tourismus, nahmen diese Anliegen auf, so dass Pilgerreisen heute ohne die Strapazen von früher möglich sind. Der Verein Jakobsweg und der Dachverband Jakobsweg Schweiz unterhalten die Wegmarkierungen und versorgen Interessierte mit Informationen. Auch ViaStoria, das Zentrum für Verkehrsgeschichte der Uni Bern, beleuchtet die Hintergründe der ViaJacobi mit Publikationen, Pauschalen usw.

Moderne Pilger suchen den Ausstieg, möchten die Eintönigkeit des Alltags durchbrechen, sehnen sich nach Einfachheit und Abenteuer und wollen fremde Menschen und Länder kennen lernen.

Viele Pilger tragen noch heutige die typischen Kleider und Ausrüstungsgegenstände, welche die früheren Pilger auszeichnete und ihnen Recht auf Gastfreundschaft gewährte: Die Pelerine, welche dem Wort Pilger zugrunde liegt (Französisch: Pélerin), einen breitrandigen Hut, den Pilgerstab, den Wassersack und die Muschel, Amulett und Beweis der bestandenen Wallfahrt.

«Die Vergangenheit bewundern, die Gegenwart geniessen», so heisst das Motto für die moderne Pilgerschaft.

Klosterruine Rüeggisberg

Cluniazenser und Pilger

Der Reform-Orden in Cluny (Burgund) wurde 910 mit einem einfachen Kloster gegründet und hielt sich streng an die Regeln des Heiligen Benedikt. Durch Schenkungen wurde der Orden bald einmal reich und einflussreich. Sein Ruhm erstrahlte über ganz Europa und bestimmte sogar weitgehend die Lehre des Vatikans.

Die Mönche von Cluny haben die Santiago-Pilgerschaft stark gefördert und inhaltlich mit ihren Reformen geprägt. Ihre Ordensregeln verlangten unter anderem Barmherzigkeit, grosszügige Almosen und Betreuung der Armen und Pilger. Zu diesem Zweck errichtete das reiche und mächtige Cluny vom 10. bis zum 13. Jahrhundert eine grosse Anzahl Kirchen, Klöster, Hospize und Herbergen und dies nicht nur am Jakobsweg.

Viele dieser wunderbaren romanischen Bauten sind heute attraktive Sehenswürdigkeiten für Pilger und Touristen. Dies obwohl während der Reformation versucht wurde, die Spuren der Pilger zu beseitigen.

Klosterruine Rüeggisberg

In unserer Gegend war das Cluniazenserpriorat Rüeggisberg eine wichtige Station am Jakobsweg. Auf ihrem langen Weg nach Santiago stiegen hier viele Jakobspilger ab, wenn sie von der Wallfahrtskirche beim Thunersee Richtung Freiburg zogen.

1072 wurde das Kloster Rüeggisberg dank einer grosszügigen Schenkung Lütolds von Rümligen gegründet. Es war das erste und bedeutendste Priorat der Cluniazenser auf deutschschweizerischem Boden. Andere Klöster waren Romainmôtier, Payerne, St. Sulpice, Bevaix, St. Petersinsel, Münchenwiler, Rougemont. Der Bau der grossen romanischen Basilika nach den Plänen Clunys stammt aus der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts. Unregelmässigkeiten im Grundriss sind eventuell durch einen bestehenden älteren Bau von 1072 bedingt.

Nach einer kurzen Blütezeit zerfiel das Kloster und wurde 1484, noch vor der Reformation, vom Rat von Bern geschlossen. Es wurde dem neuen Chorherrenstift am Münster angegliedert. Die Berner Regierung liess einen Teil der Kirche «abschryssen», da sie baufällig geworden war. In den Anlagen wurde die Wohnung für den reformierten Pfarrer und eine Absteige für den Stiftsschaffner eingerichtet. Der Stiftsschaffner war einer Berner Patricier, der in Rüeggisberg dem Chorgericht vorstand und den Zehnten einzog. Der Zehnten, Hafer, Korn, wahrscheinlich auch Roggen, wurden dann im Nordquerhaus, im sogenannten «Haberhaus», vorübergehend eingelagert. Dieser Teil ist noch heute erhalten.

Die Ruine wurde von 1938 bis 1947 ausgegraben und renoviert. Sie gilt heute als gutes Beispiel für den Baustil der Cluniazenser. Abgüsse und Originalplastiken sowie ein Modell der Basilika und andere interessante Unterlagen können im Klostermuseum besichtigt werden.

1997 wurden das Mauerwerk und die Abdeckungen erneut saniert und das Klostermuseum auf den neusten Stand gebracht.

Mehr Informationen finden Sie auf der Homepage des Archäologischen Dients Bern.

Praktische Informationen für Pilgerreisende

Pilgerstempel in der Geschäftsstelle des Naturparks Gantrisch vorhanden.

Informationen zu Unterkünften für Pilgerreisende gibt es auf den offiziellen Unterkunftslisten des Vereins Jakobsweg.

Hier finden Sie alle Informationen zum Jakobsweg im Gebiet des Naturparks Gantrisch.