Gut und nachhaltig leben – ein Gegensatz oder eine vielversprechende Entwicklung?

 

Die Lebensqualität wird von der Bevölkerung in der Region Gantrisch als hoch eingestuft. Es lebt sich also sehr gut hier bei uns. Aber können wir denn gleichzeitig gut und auch nachhaltig leben?


Dieser Frage geht Thea Wiesli am Zentrum für Nachhaltige Entwicklung und Umwelt (CDE) der Uni Bern nach. Im Rahmen einer Befragung von mehr als 3000 Teilnehmenden – davon 786 Personen aus dem Naturpark Gantrisch – ermittelte sie die Zufriedenheit und den ökologischen Lebensstil der Bevölkerung. In einem Interview erläutert Wiesli ihre Erkenntnisse.


Thea Wiesli, welches Ziel verfolgt das Forschungsprojekt?
Wohlstand ist oftmals mit einem hohen Ressourcenverbrauch verbunden. Dieser hohe Verbrauch kann sich negativ auf künftige Generationen auswirken. Die Ergebnisse der Bevölkerungsbefragung liefern Anhaltspunkte, wie ein ökologisches und gutes Leben für alle, jetzt und in Zukunft, ermöglicht werden kann.

Wie nachhaltig lebt die Bevölkerung im Naturpark Gantrisch?
Es zeigte sich, dass die Bevölkerung im Naturpark Gantrisch ziviles Engagement und Spendenbereitschaft – zwei zentrale Voraussetzungen für soziale Nachhaltigkeit – für wichtig hält. Weniger ökologisch nachhaltig lebt die Bevölkerung durch ihre Autonutzung. Auch punkto Ernährung, bei der vor allem der Konsum von Fleisch für hohe CO₂-Emissionen sorgt, schneidet die Bevölkerung weniger ökologisch ab. Ferner verursacht das Heizen von (grossen) Wohnräumen relativ hohe CO₂-Emissionen. Jedoch sind diese im Vergleich zu anderen Regionen etwas niedriger, da ein grosser Teil der Bevölkerung mit Holzprodukten anstelle von Gas oder Öl heizt.

Ist die Bevölkerung bereit dazu, etwas zu verändern, um nachhaltiger zu leben?
Ja, das glaube ich durchaus. Eine Mehrheit der Teilnehmenden unserer Studie hat angegeben, dass sie sich ein nachhaltiges Leben wünscht. Jedoch schätzen sie dies auch als schwierig umsetzbar ein. Hürden sehen sie etwa im Angebot des öffentlichen Verkehrs, in den höheren Kosten und natürlich in der Veränderung von Gewohnheiten, z.B. wenn es um Vorlieben beim Essen geht.

Wie kann also hohe Lebensqualität mit einem nachhaltigen Lebensstil vereint werden?
Nachhaltige Verhaltensweisen bedeu-ten nicht unbedingt Einschränkungen in der Zufriedenheit mit dem eigenen Le-ben, sondern können das Wohlbefinden sogar steigern. Es braucht aber gute Rahmenbedingungen, die der Bevölkerung ermöglichen, sich nachhaltig zu verhalten. So wird die Überwindung der erwähnten Hürden immer kleiner. Die Ergebnisse zeigen auch, dass ein Teil der Befragten mehr über einen nachhaltigen Lebensstil wissen möchte. Jetzt sind die Gemeinden, der Naturpark Gantrisch und weitere Akteure gefragt, Wissen zu vermitteln und nachhaltige Angebote weiter auszubauen. Im Abstand von fünf Jahren wird der Naturpark überprüfen, ob die Region Gantrisch auf Kurs Richtung Nachhaltigkeit ist.

Thea Wiesli ist Doktorandin an der Universität Bern. Seit drei Jahren arbeitet sie unter der Leitung von Thomas Hammer im Forschungsprojekt «Nachhaltige Lebensqualität in Pärken von nationaler Bedeutung». INFO: tinyurl.com/forschunggantrisch

 

Wie nachhaltig leben Sie?

Einige Ergebnisse der Befragung in der Region Gantrisch sind in den folgenden Diagrammen aufgezeigt. Die drei Bereiche Mobilität, Ernährung und Wohnen gene-rieren bei uns am meisten CO₂. Dort müs-sen wir ansetzen und etwas verändern. Hand aufs Herz: Wo sehen Sie sich in die-sen Diagrammen und was wäre Ihr erster Schritt zur Veränderung?

 

Claudia Vonlanthen, Projektleiterin Wissen, Naturpark Gantrisch

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