Freiwilligeneinsatz – eine Palästinenserin und ein Israeli im Gantrisch

Zwei junge Menschen aus verfeindeten Kulturen lernen sich, Leben und Alltag in einer Bergwelt kennen – im Gantrisch

Das klingt wie der Beginn eines interkulturellen Märchens und teilweise fühlte es sich auch ein wenig so an…

Juman aus Palästina und Porat aus Israel absolvierten im Rahmen des Europäischen Freiwilligendienstes einen sechsmonatigen Langzeiteinsatz und arbeiteten unter anderem auf dem Biohof Obereichi, für den Naturpark Gantrisch, das Skiressort Schwarzsee oder in der Stiftung Bernaville in Schwarzenburg. Dieser Austausch wurde von der Stiftung Urgestein mit Sitz im Gantrisch organisiert. Um die schweizerische Kultur hautnah erleben zu können, wohnten sie in Gastfamilien. Vor Ostern sind die beiden nach sechs ereignisreichen Monaten in und rund um Guggisberg mit vielen Eindrücken nach Hause gereist und der Abschied fiel sowohl ihnen als auch den Arbeitgebenden und Gastfamilien alles andere als leicht.

«Bei meiner Ankunft in der Schweiz war ich sofort verzaubert von der wunderschönen Berglandschaft», meint die Palästinenserin Juman aus Jerusalem. Doch schon bereits der zweite Eindruck holte sie in die Realität zurück und die Kälte machte ihr vor allem anfangs schwer zu schaffen.

«Ich bin nicht mehr der gleiche Mensch wie der, bevor ich angekommen bin», sagt Porat. Beispielsweise habe er nach Anfangsschwierigkeiten im ersten Monat gelernt, pünktlich zu sein: «Nicht nur auf der Arbeit, sondern auch in der Freizeit warten deine Freunde und Familie zur abgemachten Zeit auf dich. Das ist im Mittleren Osten anders.» Juman fügt an, dass sie zu Beginn vom «Schweizer Ordnungssinn» eingeschüchtert wurde. Mit der Zeit lernte sie diesen jedoch lieben und wird ihn nun in ihrer Heimat vermissen. Ein grosses Highlight ihres Aufenthalts stellte die Wintersaison dar. «Die Schweiz bedeutet skifahren», sagt Juman mit Funkeln in den Augen. Im Skigebiet Schwarzsee hatten die beiden die Möglichkeit, einen Skikurs zu besuchen und Juman arbeitete über die Wintermonate für die Skischule Schwarzsee im Büro oder mit den Kindern am Anfängerlift.

Doch nicht nur den Schnee werden sie vermissen, auch Fondue, Raclette und Rösti sind Gerichte, welche sie unbedingt zu Hause für ihre Familien kochen möchten. Und so gilt es zum Abschied nur noch zu sagen, dass die beiden mit ihrer Aussensicht auf die Schweizer Kultur frischen Wind in den Alltag der Gastfamilien und Arbeitgebenden gebracht haben und sie hoffen, dass die neu gewonnen Freundschaften auch über Distanz und Landesgrenzen hinweg anhalten werden.

Juman hat für den Naturpark Gantrisch eine Fotoreise gemacht

Juman hat einen Teil ihres Freiwilligeneinsatzes für den Naturpark Gantrisch geleistet. Unser Wunsch an sie war, eine Fotodokumentation zu erneuern. Für die Labelvergabe 2012 hatte der damalige Naturpark-Initiant die landschaftlichen und kulturellen Werte der Naturpark-Gemeinden fotografisch belegen müssen. Juman sollte nun die Standorte der damaligen Fotos von 2010/11 aufsuchen und neue Fotos machen. Das  entpuppte sich als gar nicht so einfach, denn Juman musste zuert Kartenlesen lernen. Auch der ähnliche Blick auf unsere Landschaft entstand erst aus den gemeinsamen Diskussionen. Denn die Aufgabe bestand auch darin, neue Fotos zu schiessen, die besondere Strukturen oder Siedlungen zeigten. Aber wie findet man Besonderheiten in einer Landschaft, die einem als Ganzes neu und fremd ist? Googelt man “Landschaft Palästina” oder “Landschaft Israel”, sieht man rasch, dass die Unterschiede zur Landschaft im Gantrischgebiet fast nicht grösser sein könnten.

Der Austausch mit Juman hat auch die Neugier auf ihr Land geweckt und diesem ein Gesicht gegeben, nicht nur bei Nicole Dahinden, die Juman während ihrer Zeit beim Naturpark Gantrisch begleitet hat, sondern auch bei vielen Mitarbeitenden und Menschen aus der Region, mit denen sie in Kontakt war. Juman hat grossen Einsatz gezeigt und sich allen Herausforderungen gestellt, wie Kartenlesen oder Autofahren im Berggebiet, was in ihrem Leben bisher noch keine Rolle gespielt hatte. Neben den Pflichtfotos (Erneuerung der Chartafotos von 2011) hat sie viele Häuser, Strukturen und Siedlungslandschaften fotografiert und es sind einige tolle Landschaftsfotos entstanden. Die Begegnung und den Austausch mit Juman werden wir als bereichernde Erfahrung in Erinnerung behalten und wir wünschen Juman für ihren weiteren Weg alles Gute.

Foto-Vergleich: Standorte vor 10 Jahren und heute

2020_Wald Vergleich Neue-Alte Fotos

2020_Toffen Vergleich Neue-Alte Fotos

2020_Oberbalm Vergleich Neue-Alte Fotos

2020_Belp Vergleich Neue-Alte Fotos

2020_Albligen Vergleich Neue-Alte Fotos

 

Für die nächsten Freiwilligeneinsätze ab August werden wieder Gastfamilien gesucht

Bei Interesse und für mehr Informationen rund um die Freiwilligeneinsätze im Gantrisch melden Sie sich gerne bei Oliver Schneitter von der Stiftung Urgestein:

Oliver Schneitter
Präsident Stiftung Urgestein
T +41 76 388 93 51

 

Post A Comment