Evaluation Naturpark Gantrisch 2012 – 2019

Die Berner Naturpärke bestehen jetzt seit beinahe 10 Jahren. Die erste Betriebsphase läuft aus und bei den Pärken Gantrisch, Diemtigtal und Chasseral steht die Erneuerung der Parkcharta an. Ein Team der Universität Bern hat die Ergebnisse aus den vergangenen Betriebsjahren analysiert. Die Resultate für den Naturpark Gantrisch sind durchwegs zufriedenstellend. So ist vor allem hervorzuheben, dass der Naturpark Gantrisch weit mehr Massnahmen umgesetzt hat, als die 49 Indikatoren, welche zu Beginn festgelegt wurden. Das Bewusstsein der Bevölkerung rund um Klimawandel, Energiewende, Biodiversität, den ländlichen Strukturwandel, den demografischen Wandel, die Digitalisierung, etc. ist in den letzten Jahren gestiegen. Dies wird bewusst, wenn man sieht, wie viele Projekte der Naturpark umsetzt, die sich alle um diese Fokusthemen drehen. So sollen diese Themen auch in den kommenden Jahren zentral sein und in die Erneuerung des Managementplans einfliessen.

Erfolgreiche Regionalprodukte, gestärkte Holzwirtschaft

Einer der wichtigsten Erfolge in den letzten Jahren, ist die Steigerung des Umsatzes bei den zertifizierten, regionalen Produkten. Dies erfolgte durch die erhöhte Nachfrage bzw. durch den Trend zu regionalen und zertifizierten Produkten, gefolgt durch den gesteigerten Verkauf der Produkte bei Coop und die Kooperation mit dem Netzwerk Schweizer Pärke.

Doch auch in anderen Bereichen wurden grosse Erfolge gemessen. Gegen aussen sind Massnahmen im Bereich der Energiegewinnung weniger sichtbar. Dennoch konnten auch hier, im Zusammenhang mit dem Einsatz regionaler Rohstoffe, Erfolge erzielt werden. Die Wertschöpfung im Bereich der Holzwirtschaft wurde unter anderem gesteigert durch die Benutzung und den vermehrten Einsatz von Holzschnitzelverbrennungs-Anlagen. So konnte durch den Verbrauch von Holzschnitzeln und Pellets eine Steigerung der Nennwertleistung um 250% erzielt werden.

Der Wert der Natur

Nachgewiesen wurde im Naturpark Gantrisch aber auch das Engagement für den Erhalt der Natur. So werden jährlich Bestandsaufnahmen zu 13 Arten (Tiere & Pflanzen) durchgeführt und alle werden positiv bewertet. Landwirte werden in der Landschaftspflege unterstützt und zusammen mit Partnern, wie zum Beispiel Zivilschutz Organisationen, werden weitere Fördermassnahmen für die Umwelt umgesetzt.

Damit diese Erfolge auch weitergetragen werden, führt der Naturpark auch regelmässig Exkursionen und Parkführungen durch. 2012 bis 2019 konnten die Teilnehmerzahlen von knapp über zweitausend bis auf weit über dreitausend Personen jährlich gesteigert werden.  Über den gesamten Zeitraum wurden somit bereits ca. 18’000 Erwachsene und Kinder über die Funktionen, die Schönheit und das Zusammenspiel in der Natur informiert.

Gemeindeübergreifendes Engagement

Ein Erfolg den die Universität Bern explizit hervorhebt ist die Arbeit und die Unterstützung für den Sternenpark Gantrisch. Die Mehrheit der Naturpark-Gemeinden hat sich freiwillig den Richtlinien zum Schutz der Dunkelheit angeschlossen und versucht diese wo möglich umzusetzen. Das grosse Bewusstsein für die Wichtigkeit der Nachtdunkelheit und das Engagement gegen Lichtverschmutzung sei nicht selbstverständlich.

Der Naturpark bringt aber auch auf politischer Ebene Erfolge hervor. So hat die Region eine grosse Kraft, wenn die Gemeinden zusammenstehen. Eine einheitliche Meinungsbildung wird möglich und die gemeinsame räumliche Entwicklung. Auf politischer Ebene ist der Austausch und die Vernetzung wichtig, um sich gemeinsam für eine Sache zu engagieren.

Nachweisbares Wirken

Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass der Naturpark Gantrisch in all seinen sechs strategischen Zielen nachweisebare Wirkungen entfaltet. Stärken liegen insbesondere in der Unterstützung und Förderung der nachhaltig betriebenen Wirtschaft, in der Erhaltung, Aufwertung und gegebenenfalls Weiterentwicklung der Natur-, Landschafts- und Kulturwerte, in der Sensibilisierung, Umweltbildung und Forschung sowie in der Koordination der Parkziele mit den Zielen der Regionalentwicklung. Auch bezüglich Förderung der Vermarktung von Waren und Dienstleistungen, der regionalen Identität sowie der Unterstützung der innerregionalen sektorübergreifenden und der überregionalen Zusammenarbeit und Vernetzung wurden die Teilziele weitgehend erreicht.

Der Naturpark Gantrisch konnte seinen gesetzlichen Auftrag erfüllen. Seine Tätigkeiten bewegen sich im Rahmen der Aufträge des BAFU und des Kantons Bern und werden im Rahmen der vierjährigen-Programmvereinbarungen und der Jahresberichte laufend geprüft. Die detaillierten Nachweise und Indikatoren zu den gesetzlichen Indikatoren können dem parkspezifischen Evaluationsbericht des Naturpark Gantrisch entnommen werden.

Quelle und Zitat:

Bär R., Wiesli T., Hammer T., Ehrensperger A., Liechti K. (2019): „Berner Pärke 2012-2021. Evaluation der Chartas der Regionalen Naturpärke Chasseral, Diemtigtal und Gantrisch. Synthesebericht“. Interdisziplinäres Zentrum für Nachhaltige Entwicklung und Umwelt (CDE), Universität Bern im Auftrag des Amtes für Gemeinden und Raumordnung des Kantons Bern.

Weiterentwicklung in den nächsten Jahren

Aus dem Evaluationsbericht leiten die Forscher der Universität Bern auch Empfehlungen ab, worauf der Naturpark Gantrisch in den nächsten Jahren besonders achten soll.

Förderung von Natur und Biodiversität

Die Arbeitseinsätze sollen weitergeführt werden und wo sinnvoll ausgebaut werden. Um die Pärke vermehrt als Kompetenzzentrum zu positionieren, sollte die Zusammenarbeit mit den Gemeinden, den kantonalen Fachstellen, den Landwirtschaftsbetrieben und weiteren relevanten Akteuren verstärkt werden.

Stärkung der nachhaltig betriebenen Wirtschaft

Das Produktelabel des Parks steht für eine regionale und nachhaltige Herstellung von Produkten. Hier kann das Potenzial noch stärker ausgeschöpft werden, ein erhöhter Anteil dieser Produkte trägt somit zu einer nachhaltigeren Wirtschaft bei.

Zurzeit ist einzig die Zertifizierung von Lebensmitteln möglich. Die Umsetzung der Zertifizierung von handwerklichen Non-Food-Produkten, Angeboten und Verpflegung würde den Pärken ermöglichen, neue Produkte zu vermarkten und die Angebotspalette zu erweitern.

Bildung für nachhaltige Entwicklung und Sensibilisierung

Die Mehrheit der Bildungs- und Sensibilisierungsangebote werden durch die Pärke festgelegt. Um das Angebot weiter auf die Nachfrage abstimmen zu können, wird empfohlen, Schulen aktiv in der Ausarbeitung und Gestaltung von Angeboten einzubinden und die Vernetzung mit ihnen zu stärken.

Forschung

Die Forschung liefert den Pärken eine gute Gelegenheit, gezielt Wissen und Daten zu generieren, die von konkretem Nutzen für die jeweilige Pärke sind. Auch wenn Forschung nicht Kernaufgabe von Regionalen Naturpärken ist, wird ausdrücklich empfohlen, Forschung als eine Zielsetzung weiterhin zu verfolgen.

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