Der Schatz in einer vielfältigen Hecke: die Haselmaus

(Bildquelle: wikimedia.org, Zoë Helene Kindermann)

Ein Nager, aber keine Maus

Die Haselmaus ist nachtaktiv, hat schwarze Knopfaugen und klettert so gut wie ein Affe. Sie würde problemlos in unsere Handfläche passen. Aber die Haselmaus ist trotz ihres Namens gar keine Maus! Da ihr Schwanz behaart ist, gehört sie wie der Siebenschläfer oder der Gartenschläfer zur Familie der Bilche. Typisch für die Bilche ist der lange Winterschlaf, der ein halbes Jahr dauert. Während dem Winter werden die Körperfunktionen stark zurückgefahren: Bei der Haselmaus kann die Pause zwischen zwei Atemzügen bis zu 11 Minuten dauern. Um genug Reserven für ihren langen Winterschlaf zu haben, futtert sie sich im Herbst mit Nüssen reichlich Speck an.

Was sagt ihre Anwesenheit über den Lebensraum aus?

Haselmäuse sind auf artenreiche und dicht gewachsene Hecken und Waldränder angewiesen, die in der Nacht nicht künstlichem Licht ausgesetzt sind. Da sie sich von Beeren, Samen und Nüssen ernähren, ist eine Vielfalt an Sträuchern wichtig. Jeder Nachweis einer Haselmaus-Familie deutet auf einen intakten Lebensraum hin. Haselmäuse sind also sozusagen Zeiger wertvoller Landschaftsstrukturen.

Lückenhafte Kenntnisse des Verbreitungsgebiets

Aufgrund ihrer versteckten Lebensweise in der Dunkelheit können Haselmäuse kaum beobachtet werden. Daher ist auch die Verbreitungskarte sehr lückenhaft. Dank einem Monitoring anhand von Nistkästen konnten im Bannholz in der Gemeinde Schwarzenburg Haselmäuse nachgewiesen werden. Im Naturpark Gantrisch weiss man ansonsten nur von vereinzelten Verbreitungsstandorten wie in Gerzensee oder Forst-Längenbühl. Das Gantrisch-Gebiet würde jedoch ideale Lebensräume für die Haselmaus bieten. Haben wir sie vielleicht einfach noch nicht entdeckt?

Monitoring im Bannholz: 7 von 10 Nistkästen wurden von Haselmäusen bewohnt.

Bildquelle: Monitoringbericht SWILD

Und doch verraten uns die Haselmäuse ihre Präsenz…

Wir können die Haselmaus zwar kaum beobachten, jedoch liefern uns die angeknabberten Haselnüsse ein wichtiges Indiz für ihre Präsenz. Keine andere Art hinterlässt nämlich dieselben Spuren an einer Haselnuss wie die Haselmaus. Der Berner Verein „Minimus“ sammelt Beobachtungen aus der Bevölkerung, um bessere Kenntnisse zur Verbreitung zu erlangen und einen fundierten Aktionsplan zum Schutz der Bilche ausarbeiten zu können.

Bestimmungsschlüssel für angeknabberte Haselnüsse

Hier hat eine Haselmaus gefressen: Die Zahnspuren sind parallel oder leicht schräg zur Öffnung.

 

 


Hier hat eine Maus gefressen. Die Zahnspuren sind senkrecht zur Öffnung.

Citizen Science: Alle können mithelfen!

Der Berner Verein zur Erforschung und Förderung kleiner Säugetiere MINIMUS nimmt Ihre Beobachtungen zu Haselmäusen und anderen Bilchen gerne per Mail entgegen: bilche@verein-minimus.ch. Weitere Infos unter www.verein-minimus.ch.

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