Klosterruine Rüeggisberg, Museum

Im Hochmittelalter erlebte das Kloster Rüeggisberg seine Blütezeit. Am Jakobsweg gelegen gehörte das ehemalige Cluniazenser Priorat zu den bedeutendsten Klosterbauten der Schweiz. Die Aussicht und das gut erhaltene Nordquerschiff sind heute Anziehungspunkt für Besucher aus aller Welt.


Der benediktinische Reformorden, benannt nach der Abtei in Cluny, wurde 910 gegründet und hielt sich streng an die Regeln des Heiligen Benedikt. Durch Schenkungen wurde der Orden bald einmal reich und einflussreich. Sein Ruhm erstrahlte über ganz Europa und bestimmte sogar weitgehend die Lehre des Vatikan.

Die Mönche von Cluny haben die Santiago-Pilgerschaft stark gefördert und inhaltlich mit ihren Reformen geprägt. Ihre Ordensregeln verlangten unter anderem Barmherzigkeit, grosszügige Almosen und Betreuung der Armen und Pilger. Zu diesem Zweck errichtete das reiche und mächtige Cluny vom 10. bis zum 13. Jahrhundert eine grosse Zahl Kirchen, Klöster, Hospize und Herbergen – und dies nicht nur am Jakobsweg.

Das Kloster Rüeggisberg wurde dank einer grosszügigen Schenkung Lütolds von Rümligen 1072/76 gegründet. Es war das erste und bedeutendste Priorat der Cluniazenser auf deutsch­schweizerischem Boden. Andere Klöster waren Romainmôtier, Payerne, St. Sulpice, Bevaix, St. Petersinsel, Münchwiler, Rougemont.

Der Bau der grossen romanischen Basilika nach den Plänen Clunys stammt aus der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts.

Nach einer kurzen Blütezeit zerfiel das Kloster und wurde 1484, noch vor der Reformation, vom Rat von Bern geschlossen und dem neuen Chorherrenstift am Münster angegliedert. Die Berner Regierung liess einen Teil der Kirche abreissen (abschryssen), da sie baufällig geworden war. In den Anlagen wurde die Wohnung für den reformierten Pfarrer und eine Absteige für den Stiftsschaffner eingerichtet. Der Stiftsschaffner war ein Berner Patrizier, der in Rüeggisberg dem Chorgericht vorstand und den Zehnten einzog. Der Zehnte, Hafer, Korn, wahrscheinlich auch Roggen, wurde dann im Nordquerhaus, im sogenannten „Haber­haus“, vorübergehend eingelagert. Dieser Teil ist noch heute erhalten.

Die Ruine wurde von 1938 bis 1947 ausgegraben und renoviert. Sie gilt heute als gutes Beispiel für den Baustil der Cluniazenser. Abgüsse und Originalplastiken sowie ein Modell der Basilika und andere interessante Unterlagen können im Klostermuseum besichtigt werden.

Besitzer
Kanton Bern

Renovationen
1938 bis 1947 Ausgrabungen und Renovation, 1997 Renovation Mauerwerk und Abdeckungen

Anreise
Postauto ab Bahnhof Köniz oder ab Riggisberg bis Rüeggisberg Post.
Strasse: Rüeggisberg liegt auf dem Längenberg. Anfahrt je nach Ausgangsort über Riggisberg, Köniz oder Kehrsatz.

Wandervorschlag

Links

Informationen / Kontakte
Literatur: „Kirchen im Naturpark Gantrisch“, Broschüre der Kirchlichen Bezirke Schwarzenburg und Seftigen, 2013

Kontakte: Gemeinde Rüeggisberg / 031 808 18 18

Seit 2014 bietet der Naturpark Gantrisch Führungen in der Klosterruine an.


Adresse:
Klosterruine Rüeggisberg Museum
Klostergasse 1
3088 Rüeggisberg
Swisstopo